Teamvorstellung: FC Bayern München
DERTOUR am 26.07.2010 - 09:56 Uhr
Gleich in seinem ersten Jahr hat Trainer Louis van Gaal in München (beinahe) alles erreicht. Das Experiment, das von Kritikern als Rückschritt zum progressiven Trainer Klinsmann gewertet wurde, wäre Ende Mai nach Meisterschaft und Pokalsieg fast in den Gewinn der Champions League gemündet.
Konzept der selbstgemachten Weltstars
Erfolgsgarant für den holländischen Trainer waren dabei vor allem Spieler, von denen man es nicht erwartet hatte. Im defensiven Mittelfeld wuchs Bastian Schweinsteiger zu dem Spieler heran, der mit Übersicht und Spielintelligenz spätestens bei der WM zum Superstar avancierte. Damit hielt er Arjen Robben den Rücken frei, der nicht nur mit den alles entscheidenden Toren Glanzlichter setzte. Wenn dieses Konzept nicht zum Erfolg führte, stand in der Spitze immer noch Kämpfer Ivica Olic bereit.
Nur Rückkehrer neu im Kader
Das hat dazu geführt, dass der neue sportliche Leiter, Christian Nerlinger, keinerlei Not sah, den Kader umzustellen. Wo noch im letzten Jahr 74 Millionen auf der Ausgabenliste standen, begnügt sich der FC Bayern nun mit der Rückkehr fünf ausgeliehener Spieler. Neben Ottl, Braafheid, Sosa und Breno ist unter ihnen mit Toni Kroos freilich ein Schwergewicht, das auch auf WM-Einsatzzeit zurückblicken kann.
Glanzstück Mittelfeld - Krisenherd Abwehr
Mit größtem Neid schaut die (auch internationale) Konkurrenz daher auf den zentralen Mannschaftsteil der Bayern. Wer auf einen Defensivblock aus Mark van Bommel und Bastian Schweinsteiger und die mit Arjen Robben und Franck Ribéry vielleicht beste Flügelzange der Welt zurückgreifen kann, muss hohe Ansprüche anmelden. Zwar bleibt abzuwarten, wie der Franzose das Mediengezerre um seine Sex-Eskapaden verkraftet, doch steht auch hier mit Hamit Altintop, der gehalten werden konnte, und dem angesprochenen Toni Kroos adäquater Ersatz bereit. Schwachstelle der Bayern könnte dagegen die Defensive sein. Vor allem zentral waren Martín Demichelis und Daniel van Buyten nicht immer verlässlich. Kann Neu-Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm von der Außenposition genug Sicherheit geben?
Wer agiert neben Olic und Müller?
Spannend bleibt dagegen die Besetzung im Sturm: Ivica Olic war im vergangenen Jahr das Sinnbild für die nie aufgebenden Bayern und hat besonders in der europäischen Königsklasse das alte "Mir san mir"-Gefühl wieder auferweckt. Das Wunderkind und WM-Torschützenkönig mit dem Allerweltsnamen Thomas Müller hat sich darüber hinaus in die Herzen nicht nur der Bayern-Fans gespielt. Da dieser aber auch im offensiven Mittelfeld agieren kann, bleibt die Hoffnung vor allem für Miroslav Klose, der in Südafrika seine Form wiedergefunden hat. Nur wo taucht in dieser Rechnung Millionenmann Mario Gomez auf?
Angriff auf den europäischen Thron
Nicht erst diese Vorraussetzungen zwingen die Münchener, auch im Europapokal wieder nach dem Höchsten zu streben. Die Champions League, die im vergangenen Jahr denkbar knapp verpasst wurde, muss die Mannschaft im Blick haben. Nicht nur der über allem thronende Präsident Uli Hoeneß wird dabei genug Druck ausüben. Der ist in München schon traditionell groß genug.
Der Kader im Überblick:
Tor:
Hans-Jörg Butt (Nationalität GER, Rückennummer 1)
Rouven Sattelmaier (GER, 22)
Thomas Kraft (GER, 35)
Abwehr:
Breno (BRA, 2)
Edson Braafheid (NED/SUR, 4)
Daniel van Buyten (BEL, 5)
Martin Demichelis (ARG/ITA, 6)
Philipp Lahm (GER, 21)
Diego Contento (GER/ITA, 26)
Holger Badstuber (GER, 28)
Maximilian Haas (GER, 32)
Mittelfeld:
Franck Ribéry (FRA, 7)
Hamit Altintop (TUR, 8)
Arjen Robben (NED, 10)
Andreas Ottl (GER, 16)
Mark van Bommel (NED, 17)
José Ernesto Sosa (ARG, 20)
Daniel Pranjic (CRO, 23)
David Alaba (AUT, 27)
Bastian Schweinsteiger (GER, 31)
Toni Kroos (GER, 31)
Anatoliy Tymoshchuk (UKR, 44)
Angriff:
Ivica Olic (CRO, 11)
Miroslav Klose (GER, 18)
Thomas Müller (GER, 25)
Mario Gomez (GER/ESP, 33)
Trainer:
Chef-Trainer: Louis van Gaal (NED)